La Paz – Huayna Potosi

22.05. – 24.05.2013 Auch wenn La Paz als Stadt in meinen Augen eher mittelmäßig interessant ist, gibt es doch einiges in der näheren Umgebung zu tun. Unter anderem kann man den Huayna Potosi besteigen, einen über 6.000m hohen Berg der sich ca. 1,5h Autostunden außerhalb von La Paz befindet. Die Besteigung wird in allen möglichen Reisebüros in der Stadt meist als Zwei- oder Drei-Tages-Tour angeboten und kostet, je nach Dauer, zwischen ca. 82€ (750 Bol) für die Zwei-Tages-Tour und ca. 140€ (1.300 Bol) für die Drei-Tages-Tour. In der Regel beinhaltet das dann die komplette Ausrüstung (Steigeisen mit entsprechenden Boots, Eispickel, Jacke, Hose, Schlafsack, etc. pp). Im Hostel in La Paz angekommen habe ich zwei Jungs kennengelernt, die die Tour bereits für 104€ (950 Bol) bei Aka Pacha Travel gebucht hatten und zwei Tage später starten wollten. Da habe ich mich dann direkt mal mit eingeklinkt. Auch wenn La Paz bereits auf über 3.600m liegt, empfiehlt sich einem trotzdem die Drei-Tages-Tour, einfach weil man einen Tag mehr hat, um sich an die extreme Höhe zu gewöhnen. Am ersten Tag ging es dann erst mal zu unserem Anbieter, wo wir mit der nötigen Ausrüstung ausgestattet wurden. Das Ganze hat ein bisschen an einen Secondhand-Laden erinnert. Die Sachen sind natürlich entsprechend alt und hier und da muss man improvisieren, damit alles einwandfrei funktioniert (z. B. einfach selber noch Löcher in den Boot bohren, wenn die Schlaufen für die Schnürsenkel gerissen sind). Im Großen und Ganzen war die Ausrüstung aber, wenn man mal bolivianische Verhältnisse voraussetzt, in Ordnung. Danach wurden wir dann mit einem Taxi zum ersten Basecamp gefahren, welches sich bereits auf 4.700m befindet. Von dort aus ging es dann nachmittags zu einem kleinen Gletschertraining, bei dem wir mit den Steigeisen, dem Eispickel sowie der notwendigen Technik vertraut gemacht wurden. Abends gab es noch ein kleines Essen und um 21 Uhr waren die Lichter aus. In der Nacht war allerdings nicht an viel Schlaf zu denken. Durch den Sauerstoffmangel wacht man immer wieder auf und hat das Gefühl, einfach nicht genügend Luft zu bekommen. Das lässt sich zwar mit zwei bis drei tiefen Atemzügen relativ einfach beheben, wach ist man dann aber trotzdem. Dementsprechend kamen dann am Ende auch kaum drei Stunden Schlaf zusammen.

Der zweite Tag fing relativ entspannt an. Da der Aufstieg zum zweiten Basecamp (Rockcamp) erst für 13 Uhr geplant war, blieb morgens noch ein bisschen Zeit um die Gegend zu erkunden. Etwas früher als ursprünglich geplant ging es dann mit der vollen Ausrüstung in Richtung Rockcamp los. Der Weg dorthin ist mit ca. 2,5h durchaus machbar und wird lediglich durch die ca. 15 Kilogramm Ausrüstung, die man mitschleppen muss, erschwert. Bereits vom zweiten Camp aus bietet sich ein phänomenaler Ausblick auf die Gipfel der Cordillera Real und den 6.438m hohen Illimani. Auch am zweiten Abend gab es wieder ein paar Snacks und Wasser (geschmolzener Schnee, es empfiehlt sich einen Anbieter zu wählen, der einen starken Gaskocher hat, sonst herrscht permanenter Wassermangel. Der Super-GAU bei der Höhe). Hier hat man dann schon die Unterschiede in den einzelnen Anbietern gesehen. Andere Gruppen, die ebenfalls im zweiten Basecamp nächtigten, schienen teilweise deutlich besser ausgestattet und auch die Guides wirkten einfach professioneller. Unmittelbar nach dem Abendessen, um 18 Uhr, ging es bereits ins Bett, da der Aufstieg zum Gipfel für 1 Uhr morgens geplant war. In der zweiten Nacht war es dann gänzlich unmöglich auch nur ein Auge zuzumachen. Die Nervosität, die Kälte sowie die dünne Luft ließen das einfach nicht zu. Von daher war ich dann auch recht froh, als der Wecker um Mitternacht klingelte.

Nach einem kurzen „Frühstück“, welches in meinem Fall größtenteils aus Schokoriegeln und Coca-Tee bestand, hieß es dann Ausrüstung anziehen, anleinen und los geht’s! Natürlich waren wir die letzte Gruppe und sind erst um 2 Uhr losgekommen, obwohl sowohl meine Mitstreiter, als auch ich mehr als pünktlich fertig gewesen wären und bereits um 1 Uhr hätten starten können. Der Aufstieg zum Gipfel erfolgte in völliger Dunkelheit, lediglich die Stirnlampe ermöglichte es einem, ungefähr den Weg zu erkennen. Bis ca. 5.600m ging eigentlich alles besser, als ich es zunächst erwartet hatte. Keine Anzeichen der Höhenkrankheit, keine Kopfschmerzen und auch die Sauerstoffzufuhr war kein Problem. Zwischen 5.600m und 5.900m sah das dann allerdings ein bisschen anders aus. Mit jedem Meter wurde der Aufstieg schwerer und schwerer, die Atmung erinnerte zunehmend an einen Hund und auch erste Kopfschmerzen machten sich bemerkbar. Unser Guide hatte zwischenzeitlich auch schon versucht uns zu überzeugen, dass der Gipfel doch gar nicht so wichtig sei und ob wir nicht lieber umdrehen sollten. Ihm zu vermitteln, dass das gar nicht in Frage kommt, habe ich mit meinen drei Brocken Spanisch sogar noch auf der Höhe hinbekommen. Ab 5.900m wurde der Aufstieg eine echte Herausforderung. Der Sauerstoffmangel sorgte bei mir für einen krassen Tunnelblick und hier und da fragte ich mich, ob das Glitzern im Schnee durch die Reflektionen der Stirnlampe kommt oder weil mein Hirn zunehmend die Dienste einstellte. Vermutlich war es eine Mischung aus beidem. Mittlerweile wurden wir von unserem Guide mehr und mehr angetrieben um es rechtzeitig vor Sonnenaufgang auf den Gipfel zu schaffen (man hätte ja auch eine Stunde früher loslaufen können…). Die 6.000m geknackt befanden wir uns nun auf dem letzten Grat, unmittelbar unterhalb des Gipfels. Der Grat war so dünn, dass es nicht mehr möglich war, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Stattdessen mussten wir immer mit einem Fuß vorrücken und mit dem Zweiten nachrücken, unablässig begleitet von den Rufen unseres Guides, das Seil unter Spannung zu halten. Die letzten zehn Meter waren richtig heftig, man kann den Gipfel sehen und schafft es aber kaum noch, sich mit seiner Eisaxt dorthin zu ziehen. Letzten Endes hatten wir es dann aber doch geschafft und erreichten um 6:30 Uhr den Gipfel. Alle Anstrengung war auf einen Schlag vergessen und wir erhielten wohl den besten Ausblick unseres Lebens, die Belohnung für den wohl anstrengendsten „Tag“ unseres Lebens. Der Sonnenaufgang war einfach nur unbeschreiblich.

Vom Gipfel aus lässt sich unter anderem das Amazon Basin, das Altiplano und der Titicacasee erkennen, einfach Wahnsinn. Leider hatten wir auf dem Gipfel nur sehr wenig Zeit (gefühlt ca. 10min, die tatsächliche Zeit weiß ich nicht) und dann ging auch schon das Gejammer unseres Guides los, dass wir jetzt wieder absteigen müssten, da die Sonne ansonsten den Schnee zu sehr aufweichen würde und wir dann mit den Steigeisen keinen Halt mehr finden würden. Und außerdem sei ihm kalt (WTF?? Dann zieh‘ dich wärmer an, du bist ja schließlich nicht zum ersten Mal auf dem Berg). Das hat mich dann schon ein bisschen geärgert, weil wir wie gesagt problemlos 30-60 min früher hätten loslaufen können.

Der Abstieg war dann aber auch noch mal ein Highlight für sich, da wir nun alles sehen konnten, was während des Aufstiegs im Dunkeln gelegen hatte. Nach dem Abstieg über den Grat wurde unser Guide dann auch etwas entspannter und gab uns nochmal Gelegenheit, das eine oder andere Foto zu machen. Bereits um ca. 9 Uhr erreichten wir das Rockcamp und, nach einer kleinen Pause, um 11 Uhr das Basecamp.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es wohl das anstrengendste (der Aufstieg) und schönste (das Erreichen des Gipfels und der Blick von selbigem) ist, was ich in meinem Leben je gemacht habe. Eventuell hätte sich das Ganze noch ein klein wenig steigern lassen, wenn die Agentur und die Guides einen Tick professioneller gewesen wären. Hier lohnt es sich u. U. wirklich, ein bisschen mehr Geld zu investieren. Auch wenn Huayna Potosi als einer der leichtesten 6.000er weltweit gilt, so war der Aufstieg alles andere als leicht. Immerhin ist er über 1 km höher als der Mont Blanc (4.810m) und stellt mit seiner Höhe sogar den Kilimandscharo (5.895m) in den Schatten. Wer in La Paz ist und die Gelegenheit hat, der sollte es unbedingt versuchen. Zum Wikipediaartikel des Huayna Potosi geht es hier!

Advertisements
Leave a comment

11 Comments

  1. Dr. Franz Peter Lipp

     /  28. May 2013

    Hallo Basti,
    super Leistung von Euch, den “inneren Schweinehund” überwunden zu haben – ich kann es kaum glauben. Gut, dass ich es zuvor nicht gewusst habe, sonst hätte ich mir sicher große Sorgen gemacht. Pass` weiterhin gut auf Dich auf !
    Liebe Grüße auch von Traudi

    Dein Papa

    Reply
  2. Annelie Gümpel

     /  31. May 2013

    HAllo du Abenteurer….
    wir haben gestern abend von deinem Ausflug gehört und sind gleich ins Netz gegangen um an deinem Abenteuer teil zu haben. Alleine bei dem Gedanken an die Höhe und dem damit verbundenen Abgrund hab ich Pudding in den Beinen…….!!!! Um so mehr freut es mich auf diesem Weg einen Anteil an deinen Erlebnissen haben zu können. Ich bin schon jetzt gespannt auf deine nächsten Erlebnisse, die etwas von unserem verregneten Sommeranfang ablenken.
    Genieß das Abenteuer LEBEN , vergess aber nicht auf dich aufzupassen!!!!!!

    Maike und Florian lassen uns ebenfalls an ihrem Leben in Vietnam teilhaben , was absolut spannend ist. Falls du auch dahin kommst, würden sie sich sicherlich freuen dich zu treffen (sie haben eine Wohnung und können Gäste aufnehmen) Ihr Blog ist “flomeginvietnam”
    Grüße aus der Heimat von Paul & Annelie Gümpel

    Reply
  3. Paul

     /  31. May 2013

    Du machst ja tolle Sachen, alle Achtung! Wünsch Dir noch ne schöne Zeit und viel Spass bei der Reise

    Paul

    Reply
  4. Hi Basti,

    klingt ja ziemlich krass dein Trip *g* Hoffe du hast keine abgefrorenen Zehen oder sonstige Folgeschäden zu verzeichnen. Solltest du bei deiner Tour mal in Ho Chi Minh halt machen wollen bist du uns jederzeit willkommen.

    Lg Maike

    Reply
    • Vielen Dank erst mal an Familie Gümpel und meinen Vater für die netten Kommentare.
      @Maike: Vietnam steht definitiv auf meiner Liste für diese Reise. Ich kommen dann, sobald es soweit ist, gerne auf das Angebot zurück, vielen Dank. Das wird wohl Anfang 2014 der Fall sein.
      Liebe Grüße aus Bolivien

      Sebastian

      Reply
  5. Markus

     /  3. June 2013

    Alter Lachs! Da bleibt mir auch die Luft weg!

    Reply
  6. Daniel

     /  3. July 2013

    Hey Sebastian,
    ich habe den Huayna Potosi Ende letzter Woche bestiegen, nachdem du mir im Salzhotel in der Nacht so damit in den Ohren gelegen bist…
    Danke fuer die Tipps, auf dem Gipfel war es wirklich unglaublich!
    Gute Weiterreise, keep your head up
    Daniel

    Reply
    • Haha in den Ohren gelegen, ich geb’ dir 🙂
      Aber freut mich, dass es dir gefallen hat. Hattest du Probleme mit der Höhe in irgendeiner Form? Mit welcher Tour-company bist du gegangen? Warst du in dem höheren Camp?

      Beste Grüße!

      Reply
      • Daniel

         /  13. July 2013

        Ja ich war in dem hoeheren Camp auf 5.300 m (knapp 200 Meter hoeher als die anderen Agenturen) mit dem Unternehmen Huyani Potosi. Probleme mit der Hoehe hatte ich insofern, als dass ich die zwei Naechte oben nicht schlafen konnte – aber ich hab’s ja dennoch gepackt. und beim Aufstieg selbst war allesbestens, ich konnte die sternenklare Nacht sogar ein wenig geniessen, da der Leading Guide meiner Gruppe so klein war und deshalb nur kleine Schritte gemacht hat. Das hat viele Minipausen fuer mich bedeutet….

        Viel Spass noch beim Reisen (fuer mich geht es am Mittwoch leider wieder zurueck)
        Daniel

  7. Anna

     /  5. July 2013

    Hi Daniel,
    hast du dich doch dazu entschieden;) Richtig so und die Chance genutzt! Hoffe es war gut!?
    Liebe Gruesse aus Sao Paulo,
    Anna

    Reply
    • Daniel

       /  13. July 2013

      War super, danke! Folgt ihr meinem Rat und besucht Salvador do Bahia? Viel Spass auf jeden Fall in Brasilien!!!

      Reply

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s

%d bloggers like this: